Die in Genf geborene Künstlerin Sylvie Fleury sorgt als »Fashion Girl« seit Anfang der neunziger Jahre für Aufsehen im internationalen Kunstgeschehen. Sie inszeniert Luxusgegenstände und Konsumartikel, stellt sie in neue Zusammenhänge und konfrontiert den Betrachter mit Fragen nach der Macht von Statussymbolen, die zu Fetischen des Konsums geworden sind. Ihre Arbeiten wirken auf den ersten Blick wie eine Bestätigung des Wertediktats unserer Konsumgesellschaft, stellen sich aber bei genauerem Hinsehen als eine subtile und kritische Kommentierung derselben heraus.
„Sylvie Fleury nimmt in ihren Arbeiten Bezug auf die Luxus- und Warenwelt und löst die Hierarchien zwischen Kunst, Kultur, Design, Mode und Kommerz auf. Als Assistentin des Künstlers John Armleder kam sie 1990 eher durch Zufall zur Kunst und hat seitdem die Objekte der Begierde aus Mode und Kosmetik als Skulpturen und Installationen präsentiert. Einkaufstüten bekannter Modefirmen werden im Ausstellungsraum ebenso auf dem Boden inszeniert wie zerbrochene Make-up-Produkte. Statussymbole und Fetische der Konsumwelt werden in den Kontext der Kunstwelt verschoben und damit in ihrem Wert hinterfragt. Im Sinne Duchamps sind ihre Objekte Readymades, die Andy Warhols Ansatz einer Kritik der Warenwelt zitieren. Neon-Schilder verkünden die Macht der Marke und machen das Logo zum Signum einer globalen Konsumwelt. Fleurys Werke bewegen sich zwischen Verführung und Oberflächlichkeit, Kunst und Werbung, Konzept und Konsum.“ 1
Für die Ausstellung im Kunstraum Dornbirn entwickelt die Künstlerin eine extravagante, neue Serie von raumfüllenden Objekten in gigantischer Größe. Der Titel bezieht sich auf den italienischen Ausdruck „ÎÔ“, auf Deutsch “Ich“. Die aufblasbare Skulptur steht stellvertretend für eine ungewöhnliche Form des Selbstportraits. Neben der Büste der Künstlerin ist ihre Katze als aufblasbare, riesige Figur positioniert. Mit Hilfe des Smartphone Apps Memoji kreiert Sylvie Fleury ebenso simple wie hintergründige Abbilder, die aufgrund der extremen Ausdehnung und intensiven Farbigkeit sinnbildlich für unsere Beziehung zum eigenen Ich im ambivalenten Verhältnis von öffentlicher Wahrnehmung durch Social Media Plattformen und individuellem Erscheinungsbild funktionieren.
1 Distanz Verlag, Herausgeber Michael Buhrs, Verena Hein, D/E, 2016
Kurator: Thomas Häusle