Bruno Gironcoli

Das Werk des 2010 verstorbenen Künstlers Bruno Gironcoli stellt in seiner Art eine Besonderheit innerhalb der österreichischen jüngeren Kunstgeschichte dar und konfrontiert den Betrachter in seiner Rätselhaftigkeit und kaum erträglichen Spannung immer neu.

Sein dichtes und umfangreiches Oeuvre  demonstriert Möglichkeiten einer „Bildhauerei nach dem Ende der Bildhauerei“[1], seine Werke sind mysteriöse Gebilde, Konglomerate aus Alltagsgegenständen und Figuren, die durch ein fragiles Netz persönlicher Mythologien verbunden scheinen.

Einem Thea­ter des Absur­den oder einer surrea­len Traum­welt entsprun­gen, erschei­nen diese gigan­ti­schen Objekte wie „Proto­ty­pen einer neuen Spezies“. „Riesen­spiel­zeuge“ wurden sie auch einmal genannt, das scheint eher zu passen. Fremd­ar­tig und doch irgend­wie vertraut erschei­nen sie mit ihren orga­ni­schen Formen und den Versatz­stü­cken einer Alltags­kul­tur, die sich häufig am Loka­len orien­tiert: Bald glaubt man ein Wein­fass zu erken­nen, eine Ähre, eine Wein­rebe. Dann wieder insze­niert Giron­coli einen selt­sa­men Aufmarsch von Säug­lin­gen oder eine impo­sante Ameisen artige Skulp­tur. Rätsel­haft blei­ben die Objekte in jedem Fall und geben mir als Betrach­te­rin genü­gend Raum, immer wieder neue Formen und Bedeu­tun­gen zu entde­cken. Textauszug aus: Bruno Gironcoli, Prototypen einer neuen Spezies, SCHIRN Kunsthalle Frankfurt, 2019, Kuratorin Martina Weinhart

[1] Arie Hartog, Ausstellungskatalog Bruno Gironcoli, Herausgeber Gerhard – Marcks – Stiftung, Bremen 2007

Ohne Titel (Spitzen), 1997
Ein Körper, zwei Seelen, 2001
Ohne Titel, 1992/95
Ohne Titel, Die Ungeborenen, 1996 - 2004 Detail
Bruno Gironcoli