Olaf Nicolai

Constantin

 Weltweit suchen Techniker nach optimalen Plätzen zur Errichtung von industriellen Windkraftanlagen in der freien Natur. Der Künstler Olaf Nicolai wählt für ein einzelnes Windrad den paradox anmutenden Platz im Kunstraum Dornbirn. Das Windrad wird so installiert, dass seine Rotorblätter den Raum der ehemaligen Montagehalle für den Bau von Turbinen und Wasserkraftanlagen knapp ausfüllen und eine monumentale Raumwirkung erzielen.

Erscheint der Transfer des Windrades in den Kunstraum zunächst widersinnig, so stellt er auf mehreren Ebenen ein Netz von Bezügen und Umkehrungen her. Ein industrielles Element, dass zunehmend das Bild zeitgenössischer Landschaften prägt, wird vom Außenraum in den Innenraum überführt. Dadurch wird nicht nur der skulpturale Charakter des Objektes betont, sondern auch seine unmittelbare Funktion aufgehoben: statt Energie zu erzeugen, wird Energie verbraucht. Die durch die künstliche Drehbewegung hervorgerufene Funktionalität des Windrades stellt sich in diesem Kontext als Illusion heraus.

Diese Umkehrung und die Fokussierung auf den skulpturalen Aspekt öffnen den Blick auf die Spannung zwischen künstlerischer Abstraktion und Naturnachahmung. Die Formen der Rotorblätter sind Resultate mathematischer Kalkulationen und insofern ideale abstrakte Plastiken. Als Referenz an Constantin Brancusi (1876-1957), der mit seinen radikalen Bildwerken die äußerste Reduktion und Abstraktion in der modernen Plastik verkörpert, bringt Olaf Nicolai das Windrad als stark abstrahierte Gestaltung einer organisch empfundenen Form zur Wirkung.
Der Transformationsprozess eines industriellen Windrades in den Kunstraum und zurück reflektiert die komplexe Beziehung von Kunst, Technik und Natur und aktualisiert zugleich die exemplarische Frage nach dem Kunstbegriff.

Kuratierung: Petra Schröck

Katalog

Olaf Nicolai
Constantin

Texte und Bilder zur Ausstellung
Herausgeber Kunstraum Dornbirn
Dreisprachig (Deutsch/Englisch/Französisch)
28 Seiten
Euro 15.- / SFr 27.-
ISBN 3-940064-81-5
erschienen bei spector books, 2008