Gottfried Bechtold

Unser Mann

„Unser Mann“ von Gottfried Bechtold ist ein Kunstwerk für das postideologische Zeitalter, eine Reflexion
über inhaltliche Standpunkte von Politikern, deren Positionierung im Wahlkampf sowie ein Überdenken
von Werbe- und Machtstrategien.

Der 1947 in Bregenz geborene Künstler präsentiert sich als Mann in den besten Jahren in Anzug und
Krawatte, Vertrauen erweckend in die Zukunft blickend und mit einem freundlichen Lächeln. Ein Politiker
als Staatsmann, dem man zutraut, die Probleme der Zeit zu lösen. Nur dass in das gleich bleibende
Foto zweimal wöchentlich (bei beidseitige Bespielung der Plakatwand) immer ein anderes Logo einer
wahlwerbenden Partei einkopiert wird. So entsteht der Symbolraum eines entkernten Gesamtpolitikers,
eine Chiffre, die an allen Haltepunkten des politischen Spektrums dieselbe Wirkung entfaltet. Es geht
nicht um Inhalte, sondern um Affektmassage, nicht um Handeln, sondern um Repräsentation, nicht um
den Dienst am Gemeinwesen, sondern um die hohle Konsumation einer Leere, die sich als Macht maskiert.
Der Künstler wird in diesem Projekt zum exemplarisch Genießenden, zum virtuellen Kritiker einer
emblematischen Ordnung, die einem „Wissen, das sich selbst nicht weiß“ (Lacan) verpflichtet ist.

Der gelernte Steinmetz Gottfried Bechtold kommt ursprünglich von der Bildhauerei. Beeinflusst von Land-,
Minimal- und Concept Art arbeitet er seit den 60er Jahren experimentell, analysierend und intervenierend
an und mit den Schnittstellen von Natur und Zivilisation, menschlicher und technologiegestützter
Kommunikation, Realität und Virtualität. Dabei operiert er mit unterschiedlichsten Mitteln – von „gefundenen
Objekten“ naturgegebener und artifizieller Herkunft über Materialien wie Eisen, Gips oder Beton, von
Fotografie und Video bis hin zu neuesten elektronischen Medien. Das räumlich erfahrbare Objekt verlässt
er dabei selten – vielmehr beschäftigt er sich immer wieder mit der Erweiterung des klassischen Skulpturen-
begriffs. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die auf der Documenta 5 in Kassel realisierte Arbeit
„100 Tage Anwesenheit in Kassel“ sowie sein „Beton Porsche“ (1971 und 2001), ein Abguss seines eigenen
Automobils.

Eröffnung: Montag 1. September, 17.30 Uhr, Marktstraße 33 (Alte Naturschau),
in Anwesenheit des Künstlers.

Gottfried Bechtold, *1947 in Bregenz, nahm 1972 an der Documenta 5, in Kassel teil. Im Anschluss daran
folgten längere Aufenthalte in GB, den USA, Kanada; Zusammenarbeit mit Paul Watzlawick an der Standford
University; Gastprofessuren im In- und Ausland (Cornell University, Ithaca/USA; Karl-Franzens-Universität, Graz).
1999 erhielt er den großen internationalen Kunstpreis des Landes Vorarlberg. Bechtold lebt und arbeitet
in Hörbranz, Vorarlberg

Das KÖR-Projekt ist eine Kooperation mit: Werkstadt Graz, Kunstraum Innsbruck in Zusammenarbeit mit
dem Treibhaus und dem Kunstraum Dornbirn.