Claudia Comte
The Sea of Darkness
Claudia Comte (1983, Grancy, Schweiz) hat sich längst vom Shootingstar der Schweizer Kunstszene zu einer international gefragten Künstlerin entwickelt. Charakteristisch für Claudia Comte ist ihre reduzierte Formensprache, die sie in verschiedenen Medien wie Skulptur, Malerei, Druckgrafik anwendet und in künstlichen Landschaften inszeniert. Das Überschreiten und Verbinden verschiedener Disziplinen ergänzt sie durch das Gegenüberstellen von Materialien, wie Holz und Marmor, die sie in traditioneller Bildhauermanier bearbeitet, sowie industriell gefertigter Elemente. Claudia Comte untersucht aktuelle Themenstellungen wie Klimawandel, Ökologie, der Umgang mit Ressourcen und globale Umweltverschmutzung. Die Künstlerin interessiert sich für in organische Materialien eingeschriebenen Erinnerungen genauso, wie für Wissen aus altem Handwerk und traditionellen Techniken.
Im Kunstraum Dornbirn schafft Claudia Comte eine Installation, die die Besucher*innen in eine künstliche Landschaft eintauchen lässt. An der Decke wird die Montagehalle von einem weißen Segel überspannt, auf dem Claudia Comte eine Textpassage aus „The Sea Around Us“ (dt. Buchtitel: „Geheimnisse des Meeres“) von Rachel Carsons zitiert. Das 1951 erschienene Buch ist der erste große schriftstellerischen Erfolg der amerikanischen Meeresbiologin Rachel Carson, die als Begründerin des Umweltschutzes in den USA gilt. Die Schrift scheint, in einer für Comte charakteristischen wellenförmig Bewegung, mit dem Segel zu fließen und evoziert Assoziationen zu Wasserwelten. Diese Wellenbewegungen an der Decke werden in der Anordnung der 40 in ihrer Höhe von 50 bis 200 cm variierenden Holzsockel wiederaufgenommen.
In den Arbeiten von Claudia Comte finden sich immer wieder geometrische Strukturen, die den Raum für organisch geformte Objekte und polierte Skulpturen definieren. Im Kunstraum Dornbirn wird der exakte geometrische Raster durch 40 Holzsockel beschrieben. Sie tragen die neue Skulpturenserie von Claudia Comte die aus 40 individuellen Getränkedosen besteht. Ausgangsbasis der Marmorskulpturen sind Aludosen aus unterschiedlichen Ländern. Diese wurden von der Künstlerin deformiert, gescannt und aus Carrara-Marmor gefräst. Das aufwendige Finish erfolgt durch die Künstlerin in traditioneller Bildhauermanier. Die 40 Objekte sind in ihrer Form individuell, tragen Namen die Rückschlüsse auf das Herkunftsland der ursprünglichen Dosen schließen lässt und sind in ihrer Dimension dreifach vergrößert.
„The Sea of Darkness“ als Ausstellungstitel der raumgreifenden Installation im Kunstraum Dornbirn, umschreibt die Schönheit und Unerschlossenheit der Meere, sowie die Eingriffe der Menschheit in diese Natur, durch Globalisierung des Handels, Umgang mit Ressourcen, Umweltverschmutzung und Konsum. Dies u.a. symbolisiert durch die überhöhte Darstellung der deformierten Getränkedosen in Marmor, einem hochwertigen traditionellen Material der Bildhauerkunst. In Dornbirn kreiert Claudia Comte ein Environment, in dem sie für sie wichtige Themenstellungen verknüpft und Verbindungen zu früheren Arbeiten herstellt.
Ihre Environments realisiert Claudia Comte in internationalen Galerieräumen und Ausstellungshäusern, beispielsweise 2019 in ihrer ersten musealen Ausstellung in Italien im Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea, wie auch im öffentlichen Raum. So installierte sie eine wellenförmige Wand in der kalifornischen Wüste („Curves and Zigzags“, Palm Springs 2017) bemalt mit einer anfangs streng geometrischen Komposition die sich allmählich in ein organischeres wellenförmiges Muster verwandelte. 2017 widmete ihr das Kunstmuseum Luzern eine große Personale wo sie 10 Räume bespielte, 40 Wandbilder schuf und 1059 m² füllte. Claudia Comte, die sich u.a. von den Pionieren der Konkreten Kunst in der Schweiz inspirieren lässt, studierte Visual Arts an der Haute Ecole Pédagogique, in Lausanne, Schweiz und wurde mit drei großen Awards der Schweizer Kunstszene ausgezeichnet, Swiss Art Award (2014), dem Prix 2018 der Fondation Irène Reymond und dem Kulturförderpreis 2018 der Alexander Clavel Stiftung, Riehen, Switzerland. Claudia Comte lebt und arbeitet in der Schweiz.
Schaufenster
Das Schaufenster, ein spezielles Fenster das Besucher*innen von außen einen ersten Einblick in die Ausstellung von Claudia Comte gewährt, bleibt auch weiterhin geöffnet. Die Beleuchtung der Ausstellung von 8:00 bis 20:00 Uhr ermöglicht eine interessante Perspektive auf das Environment das Claudia Comte im Kunstraum Dornbirn geschaffen hat.
Kurator: Thomas Häusle, Text: Andrea Fink