Inhalt
Fides Becker
Ein Panorama
Texte und Bilder zur Ausstellung
Zweisprachig (Deutsch/Englisch)
60 Seiten
Euro 19.- / SFr 30.-
ISBN 978-3-941185-70-8
erschienen im Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 2009

Am Ende des 18. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der es noch keinen Tourismus im heutigen Sinne
gab, sondern das Reisen einer elitären Bevölkerungsschicht vorbehalten war, entstand mit der
Darstellungsform des Panoramas eine Kunstunterhaltung, die auch der breiten Masse in der Gesellschaft das – wenn auch nur imaginäre – Erleben anderer Orte ermöglichte. Wohin die Menschen nicht selbst fahren konnten oder wollten, erfuhren sie somit als eine „Reise mit den Augen“1. Es war eine Reise, die ihr im Zuge der Aufklärung wachsendes Interesse an fernen Ländern und exotischen Kulturen, das durch das Aufkommen der Reiseliteratur zusätzlich befördert wurde, stillen sollte. Der „Besuch“ des durch seinen Hyperrealismus faszinierenden 360°-Panoramas war pädagogische Bildungsreise und sensuelles Vergnügen zugleich: Der Betrachter konnte in eine andere Welt eintauchen und im buchstäblichen Sinne „im Bild“ sein. Sehnsüchte, Fernweh, Wissensdurst oder schlichte Neugier wurden dabei auf unterhaltsame
Weise befriedigt und binnen kürzester Zeit entwickelte sich das neu geschaffene Seherlebnis
zu einem äußerst begehrten Massenmedium, das sich insbesondere zu Beginn und ein weiteres Mal zum Ende des 19. Jahrhunderts größter Beliebtheit erfreute. ...
Sabine Schlenker