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Zilvinas Kempinas

Einladung

Zilvinas Kempinas
TUBE Dornbirn 2016

Ausstellungsansicht Kunstraum Dornbirn, Foto Zilvinas Kempinas
Ausstellungsansicht Kunstraum Dornbirn, Foto Zilvinas Kempinas
Ausstellungsansicht Kunstraum Dornbirn, Foto Zilvinas Kempinas
Detail, Foto Zilvinas Kempinas

Zilvinas Kempinas

TUBE Dornbirn 2016

 

15. April  – 29. Mai 2016
Eröffnung: 14. April 2016, 20:00 Uhr

Mit TUBE, dem Hauptwerk des  litauischen Künstlers  Zilvinas Kempinas, erstmals auf der Biennale in Venedig 2009 präsentiert und seither selten gezeigt, erzeugt der Künstler mit minimalen Mitteln maximale Sinneseindrücke. Horizontal gespannte Videobänder vermitteln die Vision eines Tunnels, dessen Durchschreiten beim Besucher neue, faszinierende Ebenen der Wahrnehmung hervorruft. Raum und Zeit werden aus einer überraschend neuen Perspektive existenziell erfahrbar.

Entscheidend wichtig für die Präsentation von TUBE ist die räumliche Qualität des Ausstellungsortes. In der rohen und ursprünglichen Industriearchitektur der historischen Montagehalle des Kunstraum Dornbirn fand Zilvinas Kempinas  die perfekten Voraussetzungen für die Präsentation des vom Künstler als Wendepunkt seines Schaffens bezeichneten Werkes.

Die Arbeiten von Zilvinas Kempinas faszinieren durch ihre Leichtigkeit und Poesie. Er arbeitet ausschließlich mit  Videobändern,  die  auf ausgesprochen skulpturale Weise eingesetzt werden, indem er sie als lineares Basismaterial für seine raumgreifenden Installationen verwendet.  Die Videobänder  -  in ihrer ursprünglichen Funktion Träger von Informationen - bewegen sich im Luftzug und verwandeln durch ihr hypnotisierendes Linienspiel die Architektur in ein flüchtiges, optisch schwirrendes Environment.

 

Christoph und Markus Getzner

Von der Kürze der Dauer

25. September -  8. November 2015                                                                                           

 

 

Der Kunstraum Dornbirn widmet die Herbstausstellung den Brüdern Christoph und Markus Getzner. In der historischen Montagehalle des Kunstraum Dornbirn wird eine eigens für den Ort geschaffene,  raumfüllende Installation mit Objekten und Tafelbildern  präsentiert.

 

Christoph Getzner (geb. 1960 in Feldkirch), besuchte die Meisterklasse für Bildhauerei in Graz und ist seit 1988 Mitglied der Dombauhütte zu St. Stephan in Wien.  Markus Getzner (geb. 1965) in Bludenz, studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Arnulf Rainer und Bruno Gironcoli und lebt als Mönch im buddhistischen Kloster Rabten  Choeling  in Le Mont-Pélerin in der Schweiz. Seit 2004 arbeiten sie gemeinsam an künstlerischen Projekten.

 

Die seither entstandenen Bilder und Objekte beschreiben in teils großformatigen Installationen einen üppigen, barock anmutenden Bilderkosmos durchsetzt mit biografischen Metaphern und abendländischer Ikonografie, der sich nur schwer entschlüsseln lässt. Thematisch kreisen die Bildfindungen immer wiederkehrend um substanzielle Fragen unseres Daseins, seine Vergänglichkeit und Endlichkeit. Das inhaltliche Konzept des Verhüllens wie Bloßlegens  scheint alle Arbeiten der Getzners zu strukturieren und ist letztendlich auch Ausdruck ihres Weltbildes.

 

Die Titel der Arbeiten verweisen auf philosophische Fragestellungen zur  menschlichen Existenz und sind konstitutiver Teil des künstlerischen Konzeptes. „ In Anbetracht der Situation Behausung für die Kürze des Daseins“  liest man als Inschrift auf einer Skizze zu einem Ausstellungsprojekt, oder „Angesichts des Todes verschieben sich alle Werte und Werthaltungen“ war der Titel einer Installation im Museum der Kartause Ittingen.  Ein Ausstellungstitel aus 2011 „Zuerst die eigenen Ketten sprengen und dann die Leidesgenossen befreien“,  stellt eine konkrete Aufforderung zum Handeln im täglichen Leben dar.  

 

Die in den Objekten und Bildtafeln  verwendeten Materialien sind meist recycle bare Stoffe wie Papier, Holz, Wachs und Beton. Hier zeigt sich die stringente Konzeption ihrer Arbeiten,  deren  Ausführung sich an Kreisläufen und Zyklen orientiert.  Dies geschieht sowohl in Hinblick auf biologische Prozesse im Naturablauf als auch in Hinblick auf soziologische und gesellschaftspolitische Strukturen, wenn sie vom „Kreislauf der Armut“ oder vom „Kreislauf der Gewalt und der daraus resultierenden Angst“ sprechen.

 

Die Aussage Franz Kafka’s,  „ ich schreibe nicht wie ich spreche, ich spreche nicht wie ich denke, ich denke nicht wie ich denken sollte“, gilt in manchen Aspekten auch für das Schaffen der Brüder Getzner. Es zeigt die Ambivalenz menschlichen Handelns und künstlerischen Tuns auf ohne sie zu hinterfragen,   ganz im Gegenteil, ist doch gerade das  Wissen um die Janusköpfigkeit menschlicher Existenz die Triebfeder unserer Kultur.

 

Kuratierung:  Herta Pümpel 

 

Sehen Sie hier den Kurzfilm zur Ausstellung:http://vimeo.com/141988178

 

Jan Švankmajer

Das Universum des Jan Švankmajer

 

Der 1934 in Prag geborene Filmemacher, Objektkünstler, Zeichner und Poet Jan Švankmajer entwickelte seit den 60er Jahren größtenteils animierte Kurzfilme, deren surreale, Alb traumhafte Bildsprache in Verbindung mit  der über viele Jahre entwickelten „Stop- Motion- Technik“ Aufsehen erregte. Seine Filme basieren häufig auf literarischen Vorlagen von Edgar Allen Poe, Marquis de Sade und Lewis Carroll. 

Neben literarischen Inspirationen schöpft Jan Švankmajer seine Themen gerne aus Natur und Naturgeschichte. Das andauernde Projekt seiner „unsystematischen Anatomie“ bildet den Höhepunkt dieser kritisch ironischen Auseinandersetzung mit Natur und Evolution.  Es entstanden Filme und Objekte, in denen Švankmajer seine  Geschichte der Evolution ausbreitet,  wie etwa im Film „Historia Naturae“, der den Prozess der Entwicklung vom Tier zum Menschen aus der Sicht des Künstlers visualisiert.

Die in der Ausstellung im Kunstraum Dornbirn gezeigten Objekte  sind surreale, an historische Natursammlungen und Tierpräparate erinnernde Artefakte, die bei näherer Betrachtung rasch als „absurde“ Wesen erkennbar werden. Die Beschäftigung mit evolutionärer Entwicklung endet vorläufig in der Fantasie einer neuen „unsystematischen“ Anatomie, dargestellt sowohl in Objekten, als auch im graphischen Werk des Künstlers.

24. Juli - 6. September

Kurzfilm zu Jan Švankmajer "Das Universum des Jan Švankmajer"

 

Gerald Matt zu Jan Švankmajer

Wir sehen einen gefesselten Menschen, der auf seinen sicheren und grauenvollen Tod durch ein sich ihm pendelförmig näherndes, von der Decke herabschwebendes messerscharfes Beil wartet. Mit seinem Kurzfilm "The Pendulum, the Pit and Hope" , (1983),der im Rahmen der großen Švankmajer Präsentation des Kunstraums Dornbirn gezeigt wird, der hierfür auch das FLATZ Museum bespielt , führt uns Jan Švankmajer in eine schwarz-weiß düstere, an das Grauen der Inquisition erinnernde mittelalterliche Zelle, eine filmische Allegorie des unausweichlichen und allgegenwärtigen Todes, ein unerbittliches Memento Mori, das auf den Motiven von Edgar Allan Poe und  Auguste Villiers de L'Isle-Adam beruht. Das Interesse für Poe zeigt auch sein Film " The Fall of the House of Usher"(1980). Die Kamera schweift durch ein verfallendes Haus, der Boden erwacht zum Leben, die Wände brechen auf. Anstelle von menschlichen Darstellern überlässt Švankmajer das Geschehen der von ihm animierten Materie.  Steine, Hölzer, Wasser und Lehm, wiederkehrende Darsteller in seiner Arbeit, lassen eine menschenleere Welt erstehen, in die sich letzte Spuren des wahnhaft- sensiblen Roderick Ushers und seiner untergehenden Familie einschreiben.
Der tschechische Künstler und Filmemacher Jan Švankmajer erzählt aberwitzige, absurde Geschichten, die sich außerhalb von Zeit und Raum, in einer Art Dämmerzustand zwischen Traum und Alptraum zuzutragen scheinen. Švankmajer, der Starfilmer wie Tim Burton oder Terry Gilliam maßgeblich beeinflusste, gilt unter Cineasten längst als Ikone. Und doch sind seine Arbeiten meist nur ausgewiesenen Liebhabern des Animationsfilmes  bekannt, sind sie doch zu komplex und zu widerständig, zu fern von jeder Form oberflächlicher Zeitgeistigkeit, um  leichte künstlerische Kost oder gar wohlfeile Ware zu bieten.
Kunst, Natur  und Leben, Realität und Unterbewusstsein stellen für Švankmajer keinen Gegensatz dar. Švankmajer bekennt sich zum Surrealismus. Sein Surrealismus ist Weltsicht und Erkenntnismethode eines von den Wundern der Welt berauschten, eines ewig neugierigen und fanatischen Sammlers von Versatzstücken des Lebens, eines Künstlers, der sich mit Poesie und Ironie dem Kampf  gegen die vordergründige Herrschaft von Vernunft und Logik verschrieben hat. Die Ausstellung im Kunstraum Dornbirn  lädt ein zu einer lustvollen Reise in Švankmajers Welt, von seinen surrealen zwischen Horror und Humor changierenden Filmen über seine sinnlich-skulpturalen Objekt- und Materialerkundungen und taktilen Studien bis hin zu seinem absurden  graphischen Werk .
Jan Švankmajer wurde 1934 in Prag geboren und lebt auch heute noch in der Stadt, die Andre Breton einst " die magische Stadt Europas " nannte. Der stark vom sowjetischen Avantgarde Theater und-film beeinflusste Künstler arbeitete nach seinem Studium als Puppentheaterregisseur  am berühmten Laterna magica Theater. Ende der 60 er Jahre trat er der tschechischen Surrealisten Gruppe bei, die sich um den Theoretiker Vratislav Ettenberger gebildet hatte. Nachdem bereits frühe surreale Arbeiten wie " The Garden " (1968), der auf der letzten Biennale Venedig gezeigt wurde, in dem Menschen sich zu einem absurd anmutenden Gartenzaun formieren, aufgrund  ihrer Irrationalität und ihrem Zweifel an einer vernunftbeseelten und teleologischen Welt als subversive Proklamationen der menschlichen Freiheit und als hintergründige Kritik am totalitären kommunistischen System gelesen wurden, belegten die staatlichen Behörden Švankmajer von 1972 bis 1980 mit Drehverbot, was ihn allerdings nicht hinderte weiter zu arbeiten.  So entstand  1972/73 seine enzyklopädische Collage  " Jan Švankmajers Historia Naturae" , der sein Film " Historia Naturae (suita), (1967) voranging, ein Film, der von dem Interesse  und von der Leidenschaft des Künstlers für den Manierismus und Rudolfs Prag der Wunderkammern kündet und im Zentrum der Dornbirner Ausstellung steht. Seine  Filme zeichnen sich durch die Stop-Motion Technik aus, deren Schnitte er immer wieder mit atmosphärischen Geräuschen kombiniert. Ihn interessieren Animationstechniken, nicht nur um Atmosphären zu kreieren, sondern auch um alltägliche Gegenstände, totes Material zum Leben zu erwecken. Švankmajers von Metamorphosen und alchimistischen Transformationen geprägte Welt ist im permanenten Wandel begriffen. So werden in seinem an Archimboldos Bildwelten erinnernden Animationsfilm " Dimensions of Dialogue ( 1982)" , ein weiterer in der Ausstellung gezeigter Film, Objekte von Obst über Gemüse bis hin zu banalen Haushaltsgegenständen zerstückelt und zerhackt, um wiederum zu absonderlichen Physiognomien zusammenzuwachsen. Neben seinen surrealen Kurzfilmen baut Švankmajer wundersame Skulpturen aus Muscheln, Federn und Vogeleiern, Haut- und Skelettteilen toter Tiere, Steinen und anderen Fundstücken. So entstehen skurrile, bizarre und verstörende Fabelwesen, die den Tiefen unserer Traum und Alptraumwelt entsprungen zu sein scheinen und auf die dunkle Seite der Existenz, auf das faszinierend Unheimliche und die verworrenen Wege der Psyche verweisen. Die Materialien für all seine Objekte von Gürteltierkörpern bis Haizähnen hat der leidenschaftliche Sammler von unzähligen Reisen mitgebracht.

Auch seine Radierungen in der Anmutung alter zoologischer, anatomischer und botanischer Studien zeigen phantastische Märchenwesen, Produkte einer unheimlichen Begegnung organischer Materialien. So entstehen immer wieder neue Kreaturen aus dem Unterbewusstsein, das er als seine stärkste Inspirationsquelle bezeichnet :" Was immer auch aus meinem Unterbewusstsein kommt, verwende ich, weil es für mich die reinste Form hat während alles in unserem Bewusstsein durch die Realität, die Kunst und die Erziehung geprägt ist, sind die ursprünglichen Erfahrungen in uns die Unverfälschtesten."

 

 

The Embalmer (Dornbirn), 2015, Foto©Koen Vernimmen
The Embalmer (Dornbirn), 2015, Foto©M.Devriendt
The Embalmer (Dornbirn), 2015, Foto©M.Devriendt
The Embalmer (Dornbirn), 2015, Foto©M.Devriendt

Berlinde de Bruyckere

Berlinde De Bruyckere
The Embalmer

17. April - 5. Juli 2015

Die historische Montagehalle des Kunstraum Dornbirn bildet Rahmen und Bühne für neu geschaffene und erstmals gezeigte Werke aus der bedeutenden Serie der Pferde Objekte.

 

Schockiert und gleichzeitig inspiriert von Bildern gequälter und verendeter Pferde auf den Schlachtfeldern ihrer Heimat im ersten Weltkrieg, hat sich Berlinde de Bruyckere mehr als 10 Jahre lang mit dem Pferdekörper als Sinnbild und Projektionsfläche ihrer Auseinandersetzung mit Leid, Schmerz und Vergänglichkeit beschäftigt.

 

Lebensgroß an brachialen Eisengestellen hängend, vermitteln uns die offensichtlich malträtierten, teilweise verstümmelten Pferde Objekte einerseits den Schrecken und das Leid des Krieges, andererseits findet sich der Betrachter mit dem eigenen Schmerz, dem eigenen Leid konfrontiert und zur Auseinandersetzung damit aufgefordert.

 

Aus Pferdehäuten, Wachs, Textilien und Metall formt Berlinde de Bruyckere die Körper der Tiere. Echtes Pferdefell vermittelt authentisch und dramatisch den Eindruck des leblosen Geschöpfs. Die Köpfe der Tiere sind dabei lediglich ausgeformt weisen aber keine identifizierbaren Züge und Eigenschaften, weder Augen noch Nüstern auf. Sie stehen für das universelle Leid, unser aller Schmerz. So abstoßend und grausam die Darstellungen wirken mögen, überwältigt den Betrachter gleichzeitig die einzigartige Ästhetik der Objekte und lässt ihn zweifeln an der Eindeutigkeit des wahrgenommenen Grauens.

 

Ergänzt wird die Gruppe der Pferde Objekte im Kunstraum Dornbirn durch installativ angeordnete leere Eisengestelle. Die massiven, mit Gebrauchsspuren versehenen Objekte stehen gewissermaßen stellvertretend für das namenlose, unbekannte Leiden, das wir noch nicht kennen, nicht sehen können und vielleicht auch nicht sehen wollen. Im Gesamten vermittelt die Installation den Eindruck eines dreidimensionalen Stilllebens in der Tradition der barocken, niederländischen Malerei. Die Visualisierung purer Ästhetik bei gleichzeitigem Transfer beängstigender Botschaften spitzt sich im Werk von Berlinde de Bruyckere dramatisch zu und hinterlässt einen existenziell berührten und betroffenen Ausstellungsbesucher. (Thomas Häusle)

Ausstellungen:
Berlinde de Bruyckere, Skulpturen und Zeichnungen, S.M.A.K. Gent, Belgien, 2014; In the Flesh, Kunsthaus Graz, 2013; 55. Biennale von Venedig „Kreupelhout – Cripplewood“, 2013; Philippe Vandenberg & Berlinde de Bruyckere, De Pont Museum of Contemporary Art, Tilburg, Niederlande, 2012; La Maison Rouge – Fondation Antoine de Galbert, Paris, Frankreich, 2014; We are all Flesh’, Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne, Australien, 2012; ‘The Wound’, Arter, Istanbul, Türkei, 2012; ‘Mysterium Leib.
Berlinde De Bruyckere im Dialog mit Cranach und Pasolini’, Kunstmuseum Moritzburg, Halle, Deutschland und im Kunstmuseum Bern, Schweiz, 2011;

Den Feature Film zur Ausstellung sehen Sie hier.
Beide Ausstellungen werden in einem gemeinsamen Katalog dokumentiert.